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09 | 09 | 2010
Anna Göldi
Anna Göldi ist rehabilitiert

Erklärung der Anna-Göldi-Stiftung

Wir möchten dem Regierungsrat, den Landeskirchen und dem Landrat des Kantons Glarus für die gestern beschlossene Rehabilitierung von Anna Göldi danken. Es handelt sich um die erste Rehabilitierung einer sogenannten "Hexe" durch ein Parlament.

Selbstverständlich wird Anna Göldi auf diese Weise nicht wieder lebendig. Aber sie erhält die Ehre zurück, die ihr 1782 durch ein krasses Fehlurteil entrissen wurde. Die Rehabilitierung hat mehr als symbolische Bedeutung, sondern ist ein klares Bekenntnis zu Menschenrecht und Menschenwürde auch in unserer Zeit. Dafür wird sich die Anna-Göldi-Stiftung auch in Zukunft einsetzen.

Mollis, 28. August 2008Landrat GL




 
Stationen der Rehabilitierung

Die wichtigsten Stationen der Rehabilitierung     

  • Juni 2007: Der Näfelser Autor Walter Hauser erhebt in seinem Buch "Der Justizmord an Anna Göldi" die Forderung nach der Rehabilitierung der "letzten Hexe". Zuvor hatte die Regierung Hausers Rehabilitierungsbegehren schriftlich abgelehnt
  • Sommer 2007: Mit Unterstützung der Anna Göldi-Stiftung reicht der damalige Ständerat Fritz Schiesser (FDP) eine Motion ein mit dem Ziel, Anna Göldi zu rehabilitieren. Die Glarner Regierung und die evangelische Landeskirche lehnen das Begehren erneut ab, obwohl auch sie von einem "Fehlurteil" sprechen.
  • November 2007: Der Landrat, das Glarner Kantonsparlament, erklärt die Motion gegen den Willen des Regierungsrates für erheblich und erteilt diesem den Auftrag, die Rehabilitierung von Anna Göldi vorzunehmen
  • Juni 2008: Der Glarner Regierungsrat und die beiden Landeskirchen beantragen die Rehabilitierung von Anna Göldi. Erstmals wollen auch sie aus dem "offensichtlichen Fehlurteil" die Konsequenz ziehen und die in Glarus hingerichtete Magd 226 Jahre nach ihrem Tod "begnadigen."
  • 27. August 2008: Der Landrat folgt dem Vorschlag der Regierung einstimmig und erklärt Anna Göldi als unschuldig. Sie ist damit vollkommen rehabilitiert.

 Magd sitzend

 
Anna - "Göldi" oder "Göldin" ?


Kontroverse um die Schreibweise des Namens, Bernadette Grob, Hirzel gibt Auskunft:

'Die Leute greifen den Namen "Göldin" auf, weil Eveline Haslers Buch so heisst. Anna hiess ganz klar "Göldi". Und nicht "Göldin". Aber es war damals üblich, bei Frauen die weibliche Form zu gebrauchen. Also der (Herr) Blumer, aber die (Frau) Blumerin. Der Einfachheit halber als Beilage den Auszug von Annas Taufeintrag von 1734: sicherlich schlecht lesbar, darauf steht links ADRIAN Göldi, darunter ROSINA Bühler und daneben ANNA. Ganz rechts noch der Taufpate'.

Auszug aus dem Taufeintrag

 
Anna Göldis Todestag

Frage:

An welchem Datum ist Anna Göldi hingerichtet worden? Ist es der 18 Juni 1782, wie in Eveline Haslers Roman und dem Text "Anna Göldi - Person und Geschichte bisher" angegeben? Oder ist es der 13. Juni 1782, wie aus dem historischen Lexikon der Schweiz (Online-Version) zu entnehmen ist? 

Antwort (Bernadette Grob, Hirzel):

am 6. Juni 1782 heisst es folgendes im evangelischen Ratsprotokoll:

 ....Der Executionstag soll von heute über 8 Tag, also auf Montag, den 13. Brachmonat angesetzt sein, wann dann zumalen wiederum der complette Strafrath um 9 Uhr auf dem Rathhaus sich besammle und die Execution um 10 Uhr vorgehen solle.....

und am 13. dieses:

....Executionstag und zugleich beim Eid angesetzter Rath, gehalten Montags den 13. Brachmonat 1782 zufolge der über die unglückliche Anna Göldi unterm 6. dieses Monats aus gesetzte Todesentscheid

 
Avertissement

Original Steckbrief(Steckbrief aus der NZZ Nr. 12 vom 9. Februar 1782)

Transkription:

Löblicher Stand Glarus, evangelischer Religion, anerbietet sich hiermit demjenigen, welcher nachbeschriebene Anna Göldin entdecken, und der Justitz einbringen wird, Einhundert Kronenthaler Belohnung zu bezahlen; womit auch alle Hohe und Höhere Obrigkeiten und Dero nachgesezte Amtsleuth ersucht werden, zu Gefangennehmung dieser Person all mögliche Hülfe zu leisten; zumahlen solche in hier eine ungeheure That, vermittelst geheimer und fast unbegreiflicher Beibringung einer Menge Guffen und anderen Gezeug gegen ein unschuldiges acht Jahr altes Kind verübet hat.

Anna Göldin, aus der Gemeind Sennwald, der Landvogthey hohen Sar und Forstek zugehörig, Zürchergebiets, ohngefähr 40. Jahr alt, dicker und grosser Leibsstatur, vollkommnen und rothlechten Angesichts, schwarzer Haaren und Augbraunen, hat graue etwas ungesunde Augen, welche meistens rothlecht aussehen, ihr Anschauen ist niedergeschlagen, und redet ihre Sennwälder Aussprach, tragt eine modenfarbne Jüppen, eine blaue und eine gestrichelte Schos, darunter eine blaue Schlingen- oder Schnäbeli-Gestalt, ein Damastenen grauen Tschopen, weis castorin Strümpf, ein schwarze Kappen, darunter ein weisses Häubli, und tragt ein schwarzes Seidenbettli.

Datum, den 25. Jenner St. v. 1782.

Kanzley Glarus evangelischer Religion

 
Annas Carnifex - Das Buch

       

Mit «Annas Carnifex» schrieb Perikles Monioudis die Vorlage zum Molliser Bühnenstück. Nun wird sein Buch veröffentlicht. Der Glarner Autor spricht über die Aufführung, sein Werk und über Recht und Ungerechtigkeit.

 

[Bericht aus der Südostschweiz am Sonntag, von 15. August 2010 icon AnnasCarnifex - dasBuch (235.79 kB) ]

 


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